RFID als neuer Standard in der Container-Identifikation und -Ortung?
Oktober 8, 2018

RFID-Tags ermöglichen Container-Identifikation und Ortung per Radiowellen

Die Identifizierung mithilfe elektromagnetischer Wellen ist zumindest beim Endverbraucher längst im Alltag angekommen: Einige Modelabels statten ihre Ware längst mit den Funketiketten aus, der deutsche Personalausweis besitzt seit 2010 ebenfalls einen unauffällig auslesbaren RFID-Transponder. Wer seinem Hund oder seiner Katze beim Tierarzt einen Chip unter die Haut implantieren lässt, vertraut ebenfalls auf den Nutzen der RFID-Technologie.

Im Falle von Seecontainern ermöglichen passive RFID-Etiketten beim Auslesen die lebenslange und zweifelsfreie Identifikation der Frachtbox; aktive Varianten der Tags senden dagegen permanent Daten an Empfänger in ihrer Umgebung aus. Zwar diskutieren Fachleute seit einigen Jahren den flächendeckenden Einsatz von RFID-Tags, um den weltweiten Einsatz zu realisieren, gilt es jedoch, eine Branchenübereinkunft zwischen Terminalbetreibern und Reedern bzw. Container-Eignern zu finden. Während Terminals bei der flächendeckenden Ausstattung von Containern mit RFID-Tags vor allem durch effizientere Betriebsabläufe profitieren, liegt der Nutzen für Logistiker vor allem in der größeren Planungssicherheit für ihre Kunden, die durch lückenloses Container Tracking gewährleistet wird.

Schnellere Abwicklung am Gate

Eine durchgängige Identifikation aller Container durch RFID ist vor allem für Terminalbetreiber wünschenswert: Wenn Container-IDs automatisch ausgelesen und mit Frachtpapieren abgeglichen werden und damit die lückenlose Verfolgung der Frachtboxen auf dem Hafengelände möglich wird, beschleunigt sich die Abwicklung am Gate erheblich. Aktive RFID-Tags ermöglichen zusätzlich die Kommunikation mit externen Geräten. So können Echo-Tags, die an Kränen angebracht sind, ihre ID permanent in einem Umkreis von 300 Metern aussenden. Das Signal wird wiederum durch RFID-Ortungseinheiten der Container registriert und schafft mehr Transparenz im Ladevorgang. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die RFID-Ortungseinheiten mehrerer Container zu einer elektronischen Kette zusammenzuschalten. Im Falle des Verschwindens eines Kettengliedes aus der Gruppe verschicken die verbliebenen Einheiten eine automatische Alarmmeldung.

So vielseitig die Möglichkeiten von RFID-Tags auch ausfallen – vonseiten der Hafenterminals lohne sich der Einsatz laut Thorsten Neubert von der Hamburg Port Consulting GmbH nur, wenn die Technologie zum Standard wird. Dafür müssten die Tags bereits von der Zulassung an am Container angebracht sein, was die Frage aufwirft, wer sie mit den Transport begleitenden Informationen programmiert.

RFID Bolzensiegel als Alternative

Um das Tempo der Containerabfertigung zu steigern, will der Verein Hamburger Spediteure seine Mitglieder motivieren, im Export mit Radiowellen-Technologie ausgestattete Bolzensiegel als Alternative zu RFID-Tags zu nutzen. Die Plomben enthalten einen Chip mit einzigartigem Identifizierungscode; zudem lässt sich beim Auslesen erkennen, ob das Siegel manipuliert wurde oder unberührt ist. In Zusammenspiel mit der zunehmenden Nutzung von OCR-Gates, die Containernummern mittels hochauflösender Videotechnologie automatisch scannen, tragen sie zur Beschleunigung der Abfertigung bei. Ob das Siegel des Containers unversehrt ist, wird ohne RFID-Plomben bislang durch Sichtprüfung festgestellt. Diese Kontrolle sowie die papierbasierte Dokumentation dauern in der Regel mehrere Minuten pro Container.

Wirtschaftlichkeit und Sicherheit als beste Argumente für die flächendeckende RFID-Ausstattung

Prof. Dr. Thorsten Blecker von der Technischen Universität Hamburg-Haburg gibt zu Bedenken, dass die Akteure noch zögern RFID-Tags einzusetzen, da sich Invest und Nutzen ungleich verteilt zeigen. Während in erster Linie die Terminalbetreiber investieren müssten, um die nötige Infrastruktur für die RFID-Technologie zu schaffen, läge der Nutzen dagegen vor allem bei Spediteuren und Versendern. Auf dieser Seite fehle jedoch die Bereitschaft, für den Zugewinn zu zahlen, so Blecker. Reedereien, die ebenfalls unter hohem wirtschaftlichen Druck stünden, investierten nur begrenzt in RFID-Technologie. Eine Motivation könnte an dieser Stelle mit der gesteigerten Sicherheit geschaffen werden, die RFID-Siegel bieten, indem sie ein unberechtigtes Öffnen des Containers automatisch anzeigen.

Standardisierte Systeme werden gebraucht

RFID-Tags und -Siegel werden in den ISO-Standards 10891 und 18185 definiert:

Der Licence Plate Tag ISO/TS 10891 ist dabei als fest montierter Read-only-Tag beschrieben, dessen Dateninhalte sich allein auf die physische Identifizierung und Beschreibung des Containers beziehen. Die ISO-Standards umfassen sowohl die Anbringung des Tags am Container als auch seine technischen Spezifikationen, die den Anforderungen der widrigen Bedingungen eines Seetransports entsprechen müssen. Der Tag verbleibt in der Regel über die gesamte Nutzungsdauer am Container.

Seit 2007 existiert zudem der ISO-Standard 18185 für E-Seals, der unter den ISO 18000-Standard „RFID for Item Management“ fällt und die technischen Spezifikationen sowie die Anwendungsstandards für RFID-Siegel und die zugehörigen Systeme definiert.

Obgleich bereits seit Jahren weltweit gültige Standards für RFID-Tags und -Siegel bestehen, gibt es Nachholbedarf bei den Details: Das Aussehen der Siegel, der Typ des Lesegerätes und die Verwendung von aktiven und passiven Systemen variieren je nach Produkt, wobei die Zahl der Anbieter begrenzt ist. Um zu beurteilen, ob sich die Investition in die Infrastruktur am Terminal lohnt, müsste in naher Zukunft eine große Zahl Container weltweit mit RFID-Siegel ausgestattet werden.

RFID plus GSM und GPS für Ortung und maximale Sicherheit

Die RFID-Technlogie bildet eine essenzielle Komponente moderner Ortungslösungen, die sowohl das Tracking der Container als auch die Überwachung des Transportgutes erleichtern. In etwa 5 mal 5 Zentimeter messenden kombinierten Ortungseinheiten ist neben der GSM– und GPS-Technologie zur Ortsbestimmung auch aktive RFID-Sensorik untergebracht, die kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall misst und übermittelt. Auf diese Weise erhält man bereits während des Transports die Information, ob eine unterbrochene Kühlkette oder das Eindringen von Wasser der Ware gefährlich wird.

RFID als neuer Standard in der Container-Identifikation und -Ortung?
5 (100%) 1 vote

Kommentar schreiben

Auch interessant für Sie

Januar 28, 2018

Selfstorage oder eigener Seecontainer – Was ist besser?

Selfstorage oder eigener Seecontainer – Was ist besser?5 (100%) 1 vote

November 24, 2017

Preisbildung beim Container erklärt

Stahl, Holz, Lack und mehr: Preisbildung bei Seecontainern Die Preise für Seecontainer schwanken stark. Je nach Weltmarktsituation gilt, vereinfacht gesagt: Floriert der Welthandel, steigt in der Regel auch Nachfrage nach Containern, und sie werden teurer. Stagniert dagegen die internationale Handelsschifffahrt, sinkt zumeist auch der Bedarf an Seecontainern (und damit die Preise). Doch dies allein erklärt […]

September 27, 2017

Big Box Berlin in der „Höhle der Löwen“

Vom Schließfach zum Swimmingpool: Big Box Berlin in der „Höhle der Löwen“ Im Gründerformat „Die Höhle der Löwen“ des TV-Senders Vox kämpfen Startups mit ihren Ideen und Projekten um Kapital und Knowhow der Unternehmer und Investoren Ralf Dümmel, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Frank Thelen und Carsten Maschmeyer. Steffen Tröger, der schon seit Jugendtagen gern „Carports, Schwimmteiche […]

August 2, 2017

Containernummern: Jede ist einmalig

Nach Schätzungen der Hamburger Containerreederei Hapag Lloyd sind aktuell 25 Millionen Seecontainer auf den Weltmeeren unterwegs – und jeder einzelne davon ist immer und überall eindeutig zu identifizieren. Denn jeder Standard-Seecontainer – also solche, die nach ISO 668 gefertigt sind – verfügt eine spezielle Containernummer, die weltweit einmalig ist. Diese Containernummer setzt sich nach ISO-Norm 6346 […]

Juli 30, 2017

ELBJAZZ 2017: Musik zwischen Containern

ELBJAZZ 2017: Musik zwischen Containern Nach einjähriger Unterbrechung fand Anfang Juni 2017 das 7. ELBJAZZ-Festival http://www.elbjazz.de/de/ statt. Insgesamt 19.500 Jazzliebhaber hörten rund 50 Konzerte hochkarätiger deutschsprachiger wie internationaler Künstler – ein neuer Besucherrekord. Jazz aller Stilrichtungen zwischen Containern aus aller Welt Neben der neuen Elbphilharmonie war die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss Veranstaltungsort zahlreicher musikalischer Höhepunkte. Insgesamt vier […]

Juli 5, 2017

Europaletten im Container – der Pallet Wide

Darf´s ein wenig mehr sein? Frachtcontainer für Euro-Paletten Eine Besonderheit des europäischen Logistikmarktes sind die so genannten Pallet Wide (PW) Container, die im 40-Fuß-Standardmaß Stauraum für 30 statt 25 Euro-Paletten bieten – bei exakt denselben Außenabmessungen wie ein Standard-Seecontainer: ein erheblicher Kosten- und Zeitvorteil. Denn bei optimaler Ausnutzung der Ladekapazität lässt sich so jeder sechste […]

Juni 6, 2017

Was landet am häufigsten im Kühlcontainer?

Mehr als Banane(n): Ohne Qualitätsverlust ans Ziel – mittels Kühlcontainer Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Medikamente und Maschinen: Ohne Kühlcontainer, auch Reefer genannt, würden viele Waren auf langen Seereisen verderben. Denn das Innere eines Standard-Seecontainers ist genauso warm oder kalt wie die Umgebung.  Und Luftfracht würde die meisten Transportgüter so sehr verteuern, dass sie am […]

Mai 10, 2017

Wie belastbar ist ein Seecontainer?

Bewährt in schwerer See: Wie belastbar ist ein Seecontainer? Bis zu 500 Millionen Seecontainer sollen Schätzung zufolge weltweit im Umlauf sein. Nur ein vergleichsweise geringer Teil davon wird als Frachtcontainer im internationalen Seehandel eingesetzt. Die Mehrheit wird anderweitig verwendet in nahezu unzähligen Nutzungsvarianten.  Denn Seecontainer punkten mit hoher Witterungsbeständigkeit und hoher Belastbarkeit. Schließlich wurden sie […]

April 6, 2017

Ich packe meinen Seecontainer

„Ich packe meinen Seecontainer und nehme mit …“ 12.000 Flaschen Wein oder 6.000 Schuhkartons? Oder vielleicht ein Auto sowie das komplette Mobiliar einer Zwei-Zimmer-Wohnung? Dass in einen Standardseecontainer im 20-Fuß-Maß (TEU) vieles hineinpasst, dürfte allgemein bekannt sein. Doch wie packt man am besten? Und was darf nicht hinein? Ein kleiner Einstieg für Auswanderer und Weltenbummler. […]

April 4, 2017

Können Containerschiffe entzwei brechen?

In der Mitte entzwei: Falsche Ladungsverteilung kann Containerschiffe zerbrechen lassen Als im Sommer 2013 das Post-Panamax-Containerschiff „MOL Comfort“ im Arabischen Meer bei schwerer See auseinander brach und sank, stand sofort die Frage im Raum: Waren konstruktionsbedingte Fehler die Ursache für den Untergang oder lag es an der falschen Ladungsverteilung? Sicher ist: Die Ladungsverteilung beeinflusst die […]