Vom Mietfrust zum Containerhaus-Bauunternehmer
Juni 10, 2018

Luke Iseman (32) baut, verkauft und vermietet in West Oakland zum Wohnen umgebaute 20-Fuß-Container

Bild: Luke Iseman

Seinen 20-Fuß-ISO-Container hat sich Luke Iseman gemütlich eingerichtet: mit Küchenzeile, Hochbett, Duschzelle und Fenstern auf der Stirn- und Langseite. Die Wände des 15m²-Minihauses erstrahlen in kräftigem Blau, als Trittfläche dient professionell verlegter Laminatboden. „Unser Zuhause hat jetzt eine Dimension, dass wir uns sogar Marmorböden leisten könnten, wenn wir wollten“, lacht Lukes Freundin Heather Stewart. Das Paar traf die Entscheidung, in einen Schiffscontainer zu ziehen, weil es nicht länger 4600$ Monatsmiete für eine Wohnung in San Francisco bezahlen wollte.

Aus dem Aussteigen wurde ein Geschäftsmodell

Der damals 32-jährige Start-up Berater Iseman nutzt die Containerlösung nicht nur privat, sondern entwickelte daraus gleich ein Business-Modell. Er mietete für 9000$ eine 1600m²-Lagerhalle in West Oakland und stellte darin 11 Container auf. Die Minihäuser wiederum vermietete er für 1000$ monatlich an Menschen, die aus dem städtischen Wohnungsmarkt aussteigen wollen: unter anderem ein Facebook Inc. Ingenieur, ein Mitarbeiter einer Solartechnikfirma, Künstler und ein Fahrradkurier. Alle teilen sich in „Containertopia“ öffentliche Toiletten und ein bisschen Abenteuer-Feeling. Immerhin ist die Nutzung der Lagerhalle als Wohnraum nicht von offizieller Stelle gestattet. Auf dem Platz vor der Lagerhalle, der eigentlich nur industriellen Zwecken dienen soll, steht ein weiterer Container, der über Airbnb für 40 bis 120$ die Nacht vermietet wird.

Oakland als passende Kulisse

Wer das Industrieviertel von Oakland sieht, versteht, warum Container als Baumaterial naheliegen: Der Hafen in der östlichen Bucht von San Francisco zählt zu den vier größten Häfen weltweit und zu den vier größten in den USA. Jährlich werden hier etwa 2,24 Millionen Schiffscontainer (TEU- Twenty-foot Equivalent Units) umgeschlagen.
Bild: Luke Iseman

Vom Vermieter zum „Bauunternehmer“

Anstatt die Container nur zu vermieten, gründete Iseman jüngst das Unternehmen Boxouse, um Containerhäuser zu bauen und fertig ausgestattet zu verkaufen. Als Basis dienen gebrauchte 20-Fuß-ISO-Container, die das Oakland-Startup für etwa 1500$ pro Stück (Preisangabe von vor 3 Jahren) ankauft. In unter einer Woche schneidet die Crew Tür und Fenster in die Box, isoliert Wände und Boden und stattet den Container mit einem Stromnetz aus. Die nackte Basisversion kann der Kunde dann für 9000$ erwerben. Die Luxusversion – energieautark durch Solarzellen, mit Nasszelle, Küchenzeile und Bett – gibt es ab 49.000$. Iseman betrachtet sein Geschäftsmodell als Beitrag zur Schaffung bezahlbaren Wohnraumes: „Jeder sagt ja zu bezahlbarem Wohnraum – aber wir bauen einfach nicht schnell genug.“ Das Problem von Städten wie Oakland, so Iseman, läge in der Kluft zwischen denen, die hier leben wollen, und denen, die es sich leisten können. Der durchschnittliche Hauspreis in Oakland liegt derzeit bei 685.000$.

Perspektive für Wohnungsnot und soziale Probleme

Isemans Plan ist, die Container als bezuschussten Wohnraum für Geringverdiener bereitzustellen. Oakland wies in den 1990er Jahren einen der höchsten Anteile an Einwohnern in staatlich gefördertem Wohnraum (Section 8 housing) auf, aktuell besitzt es einen der niedrigsten. „Und dies nicht, weil die Nachfrage gesunken ist“, so Iseman. Selbst die Stadtverwaltung, die dem Aufstellen von Containerhäusern sonst kritisch gegenübersteht und Isemans „Containertopia“ bereits zweimal zum Umziehen zwang, zeigt sich offen. „Alles, das Potenzial besitzt, unsere wachsende Obdachlosen-Krise zu bewältigen, ist es Wert zu erkunden“, so Ratsmitglied Rebecca Kaplan zu Isemans Containerhäusern.

Der Boxouse-CEO sieht sein Modell dagegen ganz simpel: „Unser Ziel ist es, Häuser zu bauen, die Menschen wollen und sich leisten können – das ist unser Gegenstück zu Software, die jeder nutzt.“

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