BRLO Craft-Beer im Container
Juni 11, 2018

Die Berliner Brauerei BRLO braut und zapft ihr Produkt in einem Gebäude aus 38 alten Schiffscontainern

Bild: containermanufaktur.com

In München steht ein Hofbräuhaus … in Berlin dagegen können Bierliebhaber und solche, die es noch werden wollen, den handwerklich gebrauten Gerstensaft im Brauhaus BRLO genießen. Damit folgt die Hauptstadt einem übergreifenden Trend: Seit die Craft-Beer-Bewegung in der vergangenen Dekade aus den USA nach Deutschland schwappte, bekennt sich hierzulande bereits ein Viertel der Biertrinker zu nicht industriell produzierten Bier-Marken. Diese Tendenz erkannte 2014 auch Katharina Kurz und gründete mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Christian Laase und Diplombraumeister Michael Lempke ihre eigene Craft-Beer-Brauerei. So archaisch wie die Braukunst dahinter ist auch der Name der Firma: BRLO, das altslawische Wort für „Sumpfgebiet“, bildet den etymologischen Ursprung von „Berlin“.

Vom Kuckucksbrauer zum Container-Biergarten

Zunächst besaß die BRLO-Produktion keine feste Lokalität; Gründerin Katharina Kurz und ihre Partner mieteten sich als sogenannte Kuckucksbrauer in wechselnde Brauereien im Berliner Umland ein und stellten dort ihre insgesamt sieben Craft-Beer-Sorten her. „Deshalb hatten wir keine hohen Investitionskosten und konnten uns erstmal selbst finanzieren“, so Kurz. Mit der Ware im Gepäck zogen die Start-up-Gründer anfangs durch die Berliner Bars und Spätkauf-Läden, um den Vertrieb in Eigenregie zu übernehmen. Schließlich begaben sich die Brauer jedoch auf die Suche nach einem permanenten Platz, der einerseits die Produktion beherbergt und der andererseits den Kunden ermöglicht, das Bier in passender Atmosphäre kennenzulernen.

„Wir wussten, irgendwann müssen wir da weg“

Die gefundene Fläche am Gleisdreieck-Park in Kreuzberg erinnert mit ihrem urbanen Charme beinahe an Brooklyn und eignet sich perfekt für die Szene-Gastronomie – leider hatte sich bereits eine Immobilienfirma das Grundstück für den späteren Bau eines Bürogebäudes gesichert. Im Jahre 2016 erhielten die BRLO-Brauer von der Stadt die Erlaubnis, die Brachfläche bis dahin temporär zu nutzen. Es galt, ein Gebäude zu errichten und dennoch flexibel zu bleiben. Die Herausforderung, die Brauerei samt Zapfanlagen und Gastraum in einem Bau auf Zeit unterzubringen, nahm das Architekturbüro Graft an und konzipierte dafür einen Komplex aus 38 gebrauchten 20-Fuß-Schiffscontainern. Diese wurden zerbeult und mit Roststellen übersäht aus Hamburg geliefert – verhelfen mit frischem Anstrich jedoch zu der weltoffenen und experimentierfreudigen Atmosphäre, die für die Craft-Beer-Bewegung typisch ist.

In seiner Komplexität mit der integrierten Gastronomie bildet die Brauerei BRLO das größte mobile Containerbauvorhaben in Europa. Im Gastraum finden 130 Personen Platz – kombiniert mit dem Biergarten können im Sommer 350 bis 400 Gäste das BRLO-Bier genießen. So luxuriös gestaltete sich das Ambiente jedoch nicht von Beginn an: „Als wie im Winter hier unser erstes Bier gebraut haben, gab es noch keine Fenster und Türen“, erinnert sich Veronika Melzer, die zweite Braumeisterin bei BRLO, „Planen schützten nur mäßig vor Kälte.“ Den Übergang bis zur Fertigstellung des Gebäudes bildete zwischenzeitlich ein „Baustellen-Biergarten“ aus vier 20-Fuß-Schiffscontainern. Die Berliner Containermanufaktur stattete die Stahlboxen dafür unter anderem mit ausklappbaren Verkaufsöffnungen, Tresen, Saloontüren, Elektroinstallationen, einer Zapfanlage und einem Durchlaufkühler aus.

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Nicht billig aber preisverdächtig – das Baukonzept

Etwa 4000 Euro zahlten die Brauereibesitzer je gebrauchtem Schiffscontainer – der Ausbau und die erforderliche Technik verschlangen ein Vielfaches. Ich habe wirklich oft Angst bekommen, das könnte alles scheitern und wir könnten alles verlieren,“ gesteht Gründerin Kurz heute. Gegenüber einem konventionellen Bau ließ sich daher durch die Wahl des Baumaterials „Container“ kaum etwas einsparen. Dennoch birgt die Konstruktion ihre Vorteile: Die Container wurden individuell entsprechend ihrer Funktion umgebaut und in modularer Stapelbauweise zu einem Gesamtkomplex arrangiert. Das Ergebnis dient dem Unternehmen BRLO als mobile Homebase, die nach der vorgesehenen Nutzungsdauer von 3 bis 5 Jahren ohne Probleme abgebaut und an einem neuen Standort wiedererrichtet werden kann. Damit ähnelt das Konzept den Platoon Kunsthallen, die seit 2009 in Seoul und seit 2012 in Berlin aufgestellt sind.

Für das BRLO Brauerei-Gebäude erhielt das Architekturbüro Graft eine Nominierung für den DAM Preis 2019. Die Auszeichnung, die jährlich vom Deutschen Architekturmuseum und der Firma JUNG vergeben wird, honoriert herausragende Bauten und Ensembles im In- und Ausland.

Lob für Atmosphäre, Brau- und Kochkunst

Als Hofbräuhaus für Hipster wird das BRLO in der regionalen Presse gefeiert. Dabei loben die Kritiker auch den Stil des Gastraumes, in dem die Stahlwände der Container den stimmungsvollen Rahmen für modernes Interieur, warmen Holzfußboden und abstrakte Lichtinstallationen bilden. Kulinarisch spielt neben dem Bier vor allem Gemüse die Hauptrolle – einige Komponenten, wie der schwarze Knoblauch zum Kartoffelpüree, stammen aus dem eigenen Indoor-Gardening-Container. In die traditionellen Zubereitungsarten der Gerichte legt Koch Ben Pommer ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Braumeister in die Herstellung des Gerstensaftes: „Wir fermentieren, wecken ein, garen in Salz, trocknen und entsaften – alles was gut zum Bier passt.“ Als Resultat werden etwa geräucherte Kräutersaitlinge oder Sellerie aus dem Smoker serviert – letzterer wird wie ein Bratapfel mit Apfelmus, Senfcreme und salzigen Walnuss-Streuseln angerichtet.

BRLO Craft-Beer im Container
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