Jedes Jahr gehen auf den Weltmeeren Container verloren. Wie viele es sind, hat der Branchenverband World Shipping Council (WSC) über Jahre erhoben: 2025 waren es nach seiner Schätzung rund 1.478 Container, bei weltweit rund 280 Millionen transportierten Containern. Der Wert schwankt stark, weil einzelne Unglücke mit hunderten Containern die Statistik bestimmen.
In diesem Beitrag finden Sie die Zahlen des WSC, die häufigsten Ursachen, die bekanntesten Unglücke bis hin zum Containerschiff, das in zwei Teile zerbrach, und was mit verlorenen Containern am Meeresgrund passiert.
Wie viele Container gehen jedes Jahr verloren?
| Zeitraum | Verlorene Container | Quelle |
| 2008 bis 2013, Durchschnitt pro Jahr | 1.679 inklusive großer Unglücke, 546 ohne | WSC-Umfrage 2014 |
| 2024 | 576 | WSC 2026 |
| 2025 | rund 1.478, davon 640 bei einem einzigen Schiffsverlust | WSC 2026 |
Die Zahl 1.679 im Titel dieses Beitrags stammt aus der WSC-Umfrage von 2014 und beschreibt den Jahresdurchschnitt von 2008 bis 2013. Ohne große Unglücke lag der Durchschnitt damals bei 546 Containern pro Jahr. 2025 entfielen allein 640 Container, rund 43 Prozent, auf den Untergang eines einzigen Schiffs. Im selben Jahr wurden laut WSC 128 Container geborgen. Seit dem 1. Januar 2026 müssen Verluste von Containern nach SOLAS verpflichtend gemeldet werden.
Wie Container über Bord gehen
Häufige Ursachen sind schweres Wetter, bei dem das Schiff stark rollt und die Kräfte auf Stapel und Laschung zu groß werden, außerdem mangelhafte Ladungssicherung, falsch angegebene Gewichte und Havarien wie Strandungen oder Untergänge. Drei Beispiele zeigen die Größenordnung:
- ONE Apus, 30. November 2020: Rund 1.600 Seemeilen nordwestlich von Hawaii verlor das Schiff mit 14.000 TEU Kapazität etwa 1.816 Container, darunter 64 mit Gefahrgut.
- Rena, 5. Oktober 2011: Das Containerschiff lief vor Tauranga in Neuseeland auf das Astrolabe-Riff. Von 1.368 Containern an Bord gingen zunächst 86 über Bord, außerdem liefen mehr als 200 Tonnen Treibstoff aus.
- MSC Elsa 3, 24. und 25. Mai 2025: Der Zubringer bekam rund 38 Seemeilen südwestlich von Kochi starke Schlagseite und sank am folgenden Morgen vor der Küste Keralas. An Bord waren rund 640 Container, 13 davon mit Gefahrgut. Die 24 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, Container trieben später an die Küste von Kerala.
Gegen falsche Gewichtsangaben gilt seit dem 1. Juli 2016 die Pflicht zur verifizierten Bruttomasse (VGM): Ohne verifizierte Bruttomasse darf kein Container mehr auf ein Seeschiff. Ermittelt wird sie durch Wiegen des gepackten Containers oder durch Wiegen aller Packstücke plus Leergewicht des Containers. Wie Container an Bord gesichert werden, erklären wir im Beitrag über Twistlocks, wie Sie selbst richtig packen, unter Container richtig beladen.
Können Containerschiffe auseinanderbrechen?
Ja, das ist vorgekommen. Am 17. Juni 2013 brach die MOL Comfort rund 200 Seemeilen vor der Küste des Jemen bei schwerem Wetter in zwei Teile. Das 2008 bei Mitsubishi Heavy Industries gebaute Schiff mit 8.110 TEU Kapazität hatte 4.382 Container (7.041 TEU) an Bord und war auf dem Weg von Singapur nach Dschidda. Alle 26 Besatzungsmitglieder wurden von anderen Containerschiffen gerettet. Das Heck sank am 27. Juni, der Bug am 11. Juli.
Der Untersuchungsbericht eines japanischen Expertenausschusses kam 2015 zu dem Ergebnis, dass die Belastungen durch den Seegang die Grenztragfähigkeit des Schiffsrumpfs überschritten hatten. Der Bruch begann vermutlich in den Bodenplatten in der Schiffsmitte. Die Schwesterschiffe wurden verstärkt. Der Verband der Klassifikationsgesellschaften IACS erarbeitete daraufhin neue Mindestanforderungen an die Längsfestigkeit von Containerschiffen (UR S11A) und an die Berechnung mit Finite-Elemente-Modellen (UR S34).
Hintergrund ist die Biegung des Rumpfs über die Länge: Liegt in der Mitte deutlich mehr Gewicht als an Bug und Heck, biegt sich der Rumpf nach unten durch, im umgekehrten Fall wölbt er sich nach oben. Seegang verstärkt diese Belastung. Deshalb berechnen Reedereien die Gewichtsverteilung nicht nur über die Breite, sondern auch über die Länge des Schiffs.

Was mit verlorenen Containern am Meeresgrund passiert
Was ein Container auf dem Meeresboden bewirkt, hat das Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) untersucht. Im Februar 2004 verlor die Med Taipei in einem Wintersturm 15 Container im Schutzgebiet Monterey Bay vor Kalifornien. Im März 2011 untersuchten Forscher einen davon in rund 1.300 Metern Tiefe mit einem Tauchroboter.
Der Container wirkte wie ein künstliches Riff: Röhrenwürmer, Schnecken und Kammmuscheln hatten sich darauf angesiedelt. Die Artenvielfalt rund um den Container war aber geringer als auf dem umliegenden Meeresboden, und der Container veränderte die Strömung am Grund. Die Studie erschien 2014. Für die Umwelt problematisch sind vor allem auslaufender Treibstoff, Gefahrgut und Ladung wie Kunststoffgranulat. Nach dem Untergang der MSC Elsa 3 wurden an den Küsten von Kerala und Tamil Nadu über 600 Tonnen Plastikpellets eingesammelt.
Was die Zahlen für gebrauchte Container bedeuten
Verloren gehen nur sehr wenige der Container, die jedes Jahr über die Meere fahren. Die allermeisten werden nach 10 bis 15 Jahren im Seeverkehr ausgemustert. Wie viel ein Seecontainer aushält, erklärt unser Beitrag zur Belastbarkeit von Seecontainern. Gebrauchte und neue Container mit geprüftem Zustand finden Sie unter Container kaufen: Preise 2026.
Häufige Fragen
Wie viele Container gehen jedes Jahr verloren?
Laut World Shipping Council waren es 2025 rund 1.478 Container, 2024 waren es 576. Von 2008 bis 2013 lag der Durchschnitt bei 1.679 Containern pro Jahr inklusive großer Unglücke.
Warum fallen Container von Schiffen?
Häufige Ursachen sind schweres Wetter, bei dem das Schiff stark rollt, mangelhafte Ladungssicherung, falsche Gewichtsangaben und Havarien wie Strandungen oder Untergänge.
Welches Containerschiff ist auseinandergebrochen?
Die MOL Comfort brach am 17. Juni 2013 vor dem Jemen in zwei Teile und sank. Die 26 Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Laut Untersuchungsbericht überstiegen die Belastungen durch den Seegang die Festigkeit des Rumpfs.
Was passiert mit Containern auf dem Meeresgrund?
Eine Studie des MBARI vor Kalifornien zeigte, dass sich Tiere auf einem verlorenen Container ansiedeln. Die Artenvielfalt war aber geringer als auf dem umliegenden Meeresboden. Für die Umwelt problematisch sind vor allem auslaufender Treibstoff, Gefahrgut und Ladung wie Kunststoffgranulat.
Quellen
- World Shipping Council: Containers Lost at Sea, 2026 Update
- Marine Insight: WSC-Umfrage 2014
- Wikipedia: ONE Apus
- ITOPF: Rena, Neuseeland 2011
- The Maritime Executive: MSC Elsa 3
- Cedre: MSC Elsa 3
- Wikipedia: MOL Comfort
- MLIT: Abschlussbericht zur MOL Comfort (2015)
- The Maritime Executive: IACS zum Bericht über die MOL Comfort
- Live Science: MBARI-Studie zu verlorenen Containern
- IHK Stuttgart: Verifizierte Bruttomasse