Ein Container ist schnell gefüllt. Richtig beladen ist er erst, wenn Gewicht, Schwerpunkt, Sicherung und Feuchtigkeit stimmen. Fehler fallen oft erst auf, wenn die Ladung verrutscht ist, der Container sich beim Anheben neigt oder die Ware nach der Reise feucht ankommt.
Den Rahmen setzt der CTU-Code, der gemeinsame Verhaltenskodex von IMO, ILO und UNECE für das Packen von Güterbeförderungseinheiten aus dem Jahr 2014. Er ist rechtlich nicht unmittelbar verbindlich, gilt in der Praxis aber als anerkannte Regel für sicheres Packen. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Regeln verständlich zusammen, mit Zahlen und Quellen.
Wer ist für die Beladung verantwortlich?
Im deutschen Frachtrecht regelt § 412 HGB die Aufgabenteilung: Soweit sich aus den Umständen oder der Verkehrssitte nichts anderes ergibt, muss der Absender das Gut beförderungssicher laden, stauen und befestigen. Der Frachtführer sorgt für die betriebssichere Verladung, also dafür, dass das Fahrzeug durch die Ladung nicht gefährdet wird. Auf der Straße verlangt zusätzlich § 22 Abs. 1 StVO, dass die Ladung so verstaut und gesichert ist, dass sie auch bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt oder herabfällt.
Wer einen Container selbst packt, trägt also einen großen Teil der Verantwortung. Das gilt für den Überseeversand genauso wie für den Umzug des eigenen Lagercontainers.
Was passiert, wenn ein Container falsch beladen ist?
- Verrutschende Ladung: Lücken und fehlende Sicherung führen dazu, dass sich Packstücke bei Bremsungen, in Kurven oder bei Seegang bewegen. Ware und Containerwände werden beschädigt.
- Außermittiger Schwerpunkt: Der Container hängt beim Anheben schief, Achsen und Kran werden ungleich belastet.
- Überladung: Wird das zulässige Bruttogewicht überschritten, ist der Container nicht mehr sicher stapel- und transportierbar.
- Punktlasten: Schwere Einzelstücke ohne Lastverteilung können den Boden überlasten.
- Feuchteschäden: Nasses Verpackungsholz oder feuchte Ware führen zu Kondenswasser, Schimmel und Korrosion.

Wie viel passt in einen Container?
Zwei Grenzen gelten gleichzeitig: das Volumen und das Gewicht. Das zulässige Bruttogewicht eines Containers steht auf seiner CSC-Plakette, Leergewicht und Zuladung stehen in der Beschriftung an der Tür. Die folgende Tabelle zeigt Beispielwerte der Reederei Hapag-Lloyd. Andere Hersteller und Baujahre weichen ab.
| Typ | Leergewicht | max. Zuladung | Innenmaße (L x B x H) |
| 20 Fuß Standard | 2.350 kg | 28.130 kg | 5.900 x 2.352 x 2.395 mm |
| 40 Fuß Standard | 3.750 kg | 28.750 kg | 12.032 x 2.352 x 2.395 mm |
| 40 Fuß High Cube | 3.900 kg | 28.600 kg | 12.032 x 2.350 x 2.700 mm |
Wichtig: Die maximale Zuladung eines 40-Fuß-Containers ist nicht doppelt so hoch wie beim 20-Fuß-Container, sondern liegt in derselben Größenordnung. Schwere, dichte Güter passen deshalb oft besser in den kleineren Container, leichte, sperrige Güter in den 40-Fuß-Container oder den High Cube. Alle Maße im Vergleich finden Sie bei den Containermaße.
Wie viele Europaletten passen in einen Container?
| Container | Europaletten (1.200 x 800 mm) |
| 20 Fuß Standard | 11 |
| 40 Fuß Standard und High Cube | 24 (25 nur mit sehr wenig Spiel) |
| 20 Fuß Pallet Wide | 15 |
| 40 Fuß Pallet Wide | 30 |
Pallet-Wide-Container sind innen rund 2,44 Meter breit statt etwa 2,35 Meter. Diese neun Zentimeter reichen, um zwei Europaletten mit ihrer 1,20 Meter langen Seite quer nebeneinander zu stellen. Der High Cube hat übrigens dieselbe Bodenfläche wie der Standardcontainer, er ist nur höher.
Gewichtsverteilung und Schwerpunkt
Der CTU-Code empfiehlt in Anlage 7, dass der Schwerpunkt der Ladung möglichst in der Mitte des Containers liegt. Er soll in der Regel nicht mehr als 5 Prozent außermittig liegen, unter besonderen Umständen sind bis zu 10 Prozent vertretbar. In der Höhe soll der Schwerpunkt möglichst niedrig liegen.
Als Faustregel nennt der CTU-Code: Auf einer Hälfte der Containerlänge sollten nicht mehr als 60 Prozent der Ladungsmasse liegen. Ist die Masse innerhalb der Hälften gleichmäßig verteilt, entspricht das ungefähr der 5-Prozent-Grenze. Für Sie bedeutet das in der Praxis:
- Schweres nach unten, Leichtes nach oben. Schwere Güter dürfen nicht auf leichten oder empfindlichen Gütern stehen.
- Gewicht gleichmäßig über die Länge verteilen, nicht alles an die Stirnwand oder an die Tür packen.
- Schwere Einzelstücke über Kanthölzer oder Stahlträger auf die Längs- und Querträger des Bodens verteilen.
Der Transport-Informations-Service der deutschen Versicherer (TIS) nennt als Orientierung für schwere Einzelstücke Linienlasten von höchstens 4,5 Tonnen je laufendem Meter im 20-Fuß- und 3,0 Tonnen im 40-Fuß-Container. Was Boden, Dach und Wände genau aushalten, erklärt unser Beitrag zur Belastbarkeit von Seecontainern.

Ladung richtig sichern
Die Ladung muss den Kräften standhalten, die während des Transports auftreten. Der CTU-Code nennt dafür Beschleunigungswerte als Anteil der Erdbeschleunigung g:
| Transportweg | längs | quer |
| Straße | 0,8 g nach vorn, 0,5 g nach hinten | 0,5 g |
| See, Seegebiet A (signifikante Wellenhöhe bis 8 m) | 0,3 g | 0,5 g |
| See, Seegebiet B (8 bis 12 m) | 0,3 g | 0,7 g |
| See, Seegebiet C (über 12 m) | 0,4 g | 0,8 g |
Auf der Straße muss die Sicherung also in Fahrtrichtung 80 Prozent des Ladungsgewichts halten. Die wichtigsten Mittel:
- Formschluss: Ladung möglichst lückenlos gegen Stirnwand, Seitenwände und Nachbarpackstücke stauen.
- Füllmittel: Größere Lücken mit Stausäcken, Holz oder Füllmaterial schließen.
- Reibung: Rutschhemmende Matten unter den Packstücken erhöhen die Reibung deutlich.
- Zurren: Gurte an den Zurrpunkten des Containers befestigen. Nach ISO 1496-1 halten Ankerpunkte am Boden mindestens 10 kN (rund 1.000 kg) in jede Richtung, Zurrpunkte an den oberen Längsträgern mindestens 5 kN (rund 500 kg). Neuere Container haben oft Ankerpunkte mit 20 kN (rund 2.000 kg).
Wie Sie Zurrgurte und Stausäcke richtig einsetzen, zeigen wir ausführlich auf unserer Seite zur Ladungssicherung im Container.

Containerregen: Feuchtigkeit als unterschätztes Risiko
Tagsüber erwärmt sich der Container, Ladung und Verpackung geben Feuchtigkeit an die Luft ab. Nachts kühlen Dach und Wände ab, die Feuchtigkeit kondensiert innen am Stahl und tropft auf die Ware. Fachleute sprechen vom Containerregen.
Wie viel Wasser dabei im Spiel ist, zeigt ein Rechenbeispiel aus dem Containerhandbuch der deutschen Versicherer: Ein Container mit 20 Tonnen Stückgut und 2 Tonnen Stau- und Kistenholz enthält allein durch die Verpackung 600 Kilogramm Wasser, wenn das Holz statt der üblichen 15 Prozent einen Wassergehalt von 30 Prozent hat.
- Nur trockene Ware und trockenes Verpackungsholz einladen. Der CTU-Code rät, keine nassen oder feuchten Güter zu packen, wenn es sich vermeiden lässt.
- Trockenmittel im oberen Drittel oder unter dem Dach anbringen, ohne Kontakt zur Ware.
- Feuchteempfindliche Güter dampfdicht verpacken. Ab etwa 50 Prozent relativer Luftfeuchte steigt das Korrosionsrisiko für Metall stark an.
- Vliese unter dem Containerdach können bis zu 3 Liter Wasser je Quadratmeter aufnehmen.
Im Video erklärt Andi, warum Lüfter allein das Problem nicht lösen und welche zwei physikalischen Wege es gibt, Feuchtigkeit im Container wirklich zu reduzieren.
Mehr zum Thema lesen Sie in unseren Beiträgen zur Kondensation im Container und zum Container als Lagerraum.
Gewicht melden: die VGM-Pflicht im Seeverkehr
Seit dem 1. Juli 2016 darf ein Container nach SOLAS Kapitel VI, Regel 2 nur noch auf ein Seeschiff verladen werden, wenn seine verifizierte Bruttomasse (Verified Gross Mass, VGM) vorliegt. Verantwortlich ist der Befrachter. Zwei Methoden sind zugelassen:
- Methode 1: Der gepackte und verschlossene Container wird gewogen.
- Methode 2: Alle Packstücke einschließlich Paletten, Stau- und Sicherungsmaterial werden gewogen und zum Leergewicht des Containers addiert.
In Deutschland ist die BG Verkehr mit ihrer Dienststelle Schiffssicherheit zuständig. Bei Gefahrgut kommt nach IMDG-Code ein Container-Packzertifikat hinzu, das derjenige ausstellt, der den Container packt. Mehr dazu in unserem Beitrag über Gefahrgut im Container. Zur eindeutigen Zuordnung dient die Containernummer.
Checkliste: Container beladen in 10 Schritten
- Container vor dem Beladen prüfen: dicht, trocken, sauber, keine Löcher im Dach, Türdichtungen intakt.
- Zulässiges Bruttogewicht (CSC-Plakette) und Zuladung (Türbeschriftung) ablesen.
- Ladeplan machen: Gewicht und Volumen aller Packstücke erfassen.
- Schwere Güter unten und mittig planen, leichte oben.
- Schwerpunkt prüfen: möglichst nicht mehr als 60 Prozent der Masse auf einer Längshälfte.
- Schwere Einzelstücke mit lastverteilender Unterlage stellen.
- Möglichst lückenlos stauen, Zwischenräume mit Stausäcken oder Holz füllen.
- Ladung mit Zurrgurten an den Zurrpunkten sichern, rutschhemmende Matten verwenden.
- Feuchteschutz: trockenes Holz, Trockenmittel oben, empfindliche Ware verpacken.
- Für den Seeversand VGM ermitteln und melden, Türen verschließen und verplomben.
Wenn Sie den Container auf Ihr Grundstück liefern lassen, beachten Sie auch unsere Hinweise zum Containertransport und zum Abladen.
Häufige Fragen zum Beladen von Containern
Wie viele Europaletten passen in einen 20-Fuß-Container?
In einen 20-Fuß-Standardcontainer passen 11 Europaletten. Im 20-Fuß-Pallet-Wide-Container sind es 15.
Wie viele Europaletten passen in einen 40-Fuß-Container?
In einen 40-Fuß-Standard- oder High-Cube-Container passen in der Praxis 24 Europaletten, 25 nur mit sehr wenig Spiel. Ein 40-Fuß-Pallet-Wide-Container fasst 30 Europaletten.
Wie schwer darf ein Container beladen werden?
Das zulässige Bruttogewicht steht auf der CSC-Plakette des Containers. Davon ziehen Sie das Leergewicht ab und erhalten die maximale Zuladung. Bei neueren 20-Fuß-Standardcontainern liegt sie meist bei rund 28 bis 30 Tonnen, bei älteren Baujahren teils deutlich darunter. Auf der Straße begrenzen zusätzlich die zulässigen Gesamtgewichte und Achslasten des Fahrzeugs.
Wer haftet, wenn ein Container falsch beladen ist?
Nach § 412 HGB muss der Absender das Gut beförderungssicher laden und sichern, soweit sich aus den Umständen oder der Verkehrssitte nichts anderes ergibt. Der Frachtführer ist für die betriebssichere Verladung zuständig. Im Einzelfall kommt es auf die Vereinbarungen an. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Was bedeutet VGM?
VGM steht für Verified Gross Mass, die verifizierte Bruttomasse eines gepackten Containers. Seit dem 1. Juli 2016 muss sie vor der Verladung auf ein Seeschiff vorliegen. Ermittelt wird sie durch Wiegen des ganzen Containers oder durch Wiegen aller Packstücke plus Leergewicht.
Wie verhindere ich Feuchtigkeit im Container?
Laden Sie nur trockene Ware und trockenes Holz, bringen Sie Trockenmittel im oberen Bereich an und verpacken Sie empfindliche Güter dampfdicht. Bei längerer Lagerung hilft eine Dämmung, weil die Innenflächen dann nicht so stark abkühlen.
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Quellen
- CTU-Code, deutsche Fassung (Deutsche Flagge)
- Rothschenk: Gewichtsverteilung nach CTU-Code, Anlage 7
- § 412 HGB, Verladen und Entladen
- § 22 StVO, Ladung
- Hapag-Lloyd: 20′ Standard
- Hapag-Lloyd: 40′ Standard
- Hapag-Lloyd: 40′ High Cube
- iContainers: 20-Fuß-Container
- iContainers: 40-Fuß-Container
- iContainers: Pallet-Wide-Container
- TIS-GDV: Belastbarkeit von Containern
- Containerhandbuch: Verpackung als Schwitzwasserquelle
- Containerhandbuch: Maßnahmen gegen Containerregen
- IHK Stuttgart: Verifizierte Bruttomasse seit 01.07.2016
Moin aus Hamburg,
ich bin auf der Suche nach einer gestzlichen Vorschrift, die eine von aussen sichtbare Kenntlichmachung bei ungleichmäßiger Geweichtsverteilung / Beladung eines Containers vorschreibt. Gibt es so etwas, wenn ja, können Sie mit mitteilen, wo diese Vorschriften zu finden sind ?
Vielen Dank im Voraus !