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Aufbau eines standardisierten Seecontainers

Ein Seecontainer besteht aus einem geschweißten Stahlrahmen, gesickten Wänden aus Cortenstahl, einem Sperrholzboden auf Querträgern und zwei Türflügeln mit vier Verschlussstangen. Jedes dieser Bauteile hat eine genau festgelegte Aufgabe, und die Maße, Lasten und Kennzeichnungen sind in der Norm ISO 668 und ISO 6346 weltweit einheitlich geregelt. Deshalb passt ein Container aus Shanghai auf ein Chassis in Hamburg und lässt sich mit einem Container aus Rotterdam stapeln.

Wer einen Container kauft, umbaut oder aufstellt, sollte die Bauteile kennen. Sie entscheiden darüber, wo ein Container Lasten aufnimmt, wo Rost kritisch ist, wie die Türen gesichert werden und was die Codes an der Außenwand bedeuten. Die Grafik zeigt alle Bauteile, darunter folgt die Erklärung.

  1. Eckbeschlag
    Jede der acht Ecken eines Containers ist mit einem Eckbeschlag bestückt. Im Zusammenspiel mit den Eckpfosten und dem restlichen Rahmen sorgen sie für die nötige Stabilität. Deswegen sind die Eckbeschläge ausgesprochen solide gefertigt.
  2. Prüfziffer
    Die Prüfziffer ist die siebte Ziffer der Containernummer und steht meist in einem Kasten rechts neben der sechsstelligen Seriennummer. Sie wird nach einem festen Rechenverfahren aus dem Eigentümerschlüssel, dem Produktgruppenschlüssel und der Seriennummer berechnet. Terminals, Reedereien und Zoll prüfen damit automatisch, ob eine Containernummer korrekt erfasst wurde. Wie die Berechnung funktioniert, erklärt unser Beitrag zur Containernummer.
  3. Größen- und Bauartschlüssel
    Der Größen- und Bauartschlüssel ist ein vierstelliger Code nach ISO 6346, der unter der Containernummer steht. Die erste Stelle gibt die Länge an: 1 für 10 Fuß, 2 für 20 Fuß, 4 für 40 Fuß, L für 45 Fuß. Die zweite Stelle gibt die Höhe an: 0 für 8 Fuß, 2 für 8 Fuß 6 Zoll (2.591 mm, Standardhöhe), 5 für 9 Fuß 6 Zoll (2.896 mm, High Cube). Die dritte Stelle nennt die Bauart: G für Standardcontainer, R für Kühlcontainer, U für Open Top, P für Flat Rack und Plattform, T für Tankcontainer, B für Schüttgutcontainer. Die vierte Stelle beschreibt Besonderheiten innerhalb der Bauart. Ein 20-Fuß-Standardcontainer trägt den Code 22G1, ein 40-Fuß-High-Cube 45G1, ein 20-Fuß-Kühlcontainer 22R1.
  4. Dachlängsträger
    Der Dachlängsträger verbindet als oberer Seitenlängsträger die beiden kurzen Wände im oberen Bereich.
  5. Seitenwand
    Die Seitenwand eines Containers ist aus gesicktem Stahlblech gefertigt, da sich durch die Wellen eine höhere Stabilität erreichen lässt.
  6. Bodenlängsträger
    Der Bodenlängsträger hat im unteren Bereich die gleiche Aufgabe wie der Dachlängsträger im oberen Bereich. Beide Trägerformen gehören zur Rahmenkonstruktion.
  7. Gabelstaplertaschen
    20-Fuß-Container haben in der Regel zwei Staplertaschen im Bodenrahmen, 40-Fuß-Container meist nicht. Leere Container dürfen damit mit dem Gabelstapler bewegt werden.Ist der Container beladen, darf er nur dann mit einem Gabelstapler angehoben werden, wenn eine spezielle Kennzeichnung dies erlaubt.
  8. Scharnier
    Die Scharniere eines Containers haben in etwa die gleichen Aufgaben einer „normalen“ Türe. Sie ermöglichen ein Öffnen und Schließen der Türen.
  9. Türverriegelung
    Die Türverriegelung ist mit Löchern versehen, an die ein Schloss angebracht werden kann. Die Türverriegelung selbst ist so gebaut, dass sie sich nicht von alleine öffnen kann, ein Hebelmechanismus verhindert dies.Wie Verschlussstangen, Nocken, Griffe und Schlösser zusammenspielen, erklärt der Abschnitt zu den Türen weiter unten.
  10. Türnocke und Nockenhalterung
    Die Türnocke dient in Verbindung mit der Nockenhalterung dazu, die Türverschlussstange zu arretieren, damit die Türen auch dann zu bleiben, wenn die Wellen auf See stärker sind.
  11. Bodenquerträger
    Der Bodenquerträger gehört zum Rahmen eines Containers und verbindet die beiden Längsseiten miteinander.
  12. Türflügel
    Je nachdem, um welche Bauart es sich handelt, ist ein Container mit zwei oder vier Türflügeln ausgestattet. Durch die Scharniere können die Türflügel komplett umgeschlagen werden, sodass ein Container direkt an einem Firmentor bündig beladen werden kann.
  13. CSC Plakette
    Auf der CSC Plakette werden alle relevanten Angaben über einen Container vermerkt. So steht dort das Herkunftsland, das Datum der Herstellung, das Datum der letzten oder nächsten Prüfung, das Bruttogewicht, das Stapelgewicht, der Belastungswert und eventuelle Besonderheiten. Container dürfen nur mit einer gültigen CSC Plakette für den Frachtverkehr in Betrieb genommen werden. Es ist die „TÜV-Plakette der Seecontainer“.
  14. Türstange
    Die Türstange lässt sich über die Nocke bewegen. Mit einer Drehung der Stange kann die Türe geöffnet oder geschlossen werden.
  15. Gummidichtung
    Die Gummidichtung sorgt dafür, dass die Fracht im Inneren gegen äußere Einflüsse geschützt wird.
  16. Dachrinne und Dachquerträger
    Der Dachquerträger verbindet die beiden Längsseitenwände miteinander und gehört somit zur Rahmenkonstruktion. Die Dachrinne leitet Regen, Schnee oder Meerwasser ab.
  17. Betriebliche Kennzeichen
    Die betrieblichen Kennzeichen sind in ISO 6346 festgelegt und geben weitere Hinweise über den Container. So finden sich nochmals Gewichtsangaben, diese müssen die gleichen Einheiten aufweisen, die bereits auf der CSC Plakette stehen. Weiter finden sich etwa verschiedene Hinweise, inwieweit der Container stapelbar ist. Oder ein Blitzzeichen warnt vor Gefahren, wenn der Container mit einer Leiter ausgestattet ist.
  18. Eigentümer und Produktgruppenschlüssel
    Der Eigentümerschlüssel besteht aus drei Buchstaben und ist weltweit einmalig. Er wird beim Bureau International des Containers (BIC) in Paris registriert, sodass sich jeder Container seinem Eigentümer zuordnen lässt. Der Produktgruppenschlüssel ist der vierte Buchstabe: U für Frachtcontainer, J für abnehmbare Ausrüstung am Container, Z für Chassis und Anhänger. Zusammen mit der sechsstelligen Seriennummer und der Prüfziffer ergibt sich die elfstellige Containernummer, zum Beispiel ETTU 123456 7

Weiterführende Informationen

Türen, Verschlussstangen und Schlösser im Detail

Die Stirnseite eines Standardcontainers hat zwei Türflügel, die über je vier Scharniere am Eckpfosten hängen und sich um 270 Grad bis an die Seitenwand öffnen lassen. Jeder Flügel trägt zwei senkrechte Verschlussstangen, insgesamt also vier. An den Enden jeder Stange sitzt eine Nocke, die beim Drehen der Stange in die Nockenhalterung am oberen und unteren Türrahmen greift. Erst dieser Formschluss hält die Tür geschlossen, das Scharnier trägt nur das Gewicht.

Gedreht wird die Stange über den Griff, der in einer Griffhalterung liegt. Die Griffhalterung hat Bohrungen, durch die eine Zollplombe oder ein Vorhängeschloss gesteckt wird. Beim Schließen wird zuerst der linke Türflügel geschlossen, dann der rechte, weil die Stangen des rechten Flügels außen liegen und die Dichtlippe des linken Flügels überdecken. Umgekehrt wird beim Öffnen immer zuerst der rechte Flügel geöffnet. Die Gummidichtungen laufen rund um beide Flügel und sind so geformt, dass der Winddruck bei Fahrt sie an den Rahmen presst.

Für die Sicherung gibt es drei Ebenen. Die Plombe an der Griffhalterung dokumentiert im Transport, dass die Tür nicht geöffnet wurde, sie schützt nicht vor Einbruch. Ein Vorhängeschloss durch die Griffhalterung ist die einfachste Sicherung, mit einem Bolzenschneider aber in Sekunden geöffnet. Die Schlosskiste, ein angeschweißter Stahlkasten über dem Griffbereich, verdeckt den Schlossbügel so, dass Bolzenschneider und Trennschleifer nicht ansetzen können. In Verbindung mit einem Schloss mit gehärtetem Bügel ist das der Standard für Lagercontainer, die unbeaufsichtigt stehen. Welche Schlösser sich bewährt haben, zeigen unsere Seiten zum Containerschloss und zur Diebstahlsicherung.

Klemmende Türen sind das häufigste Problem bei gebrauchten Containern und meist kein Türproblem. Steht der Container nicht auf allen vier Ecken gleichmäßig, verzieht sich der Rahmen um wenige Millimeter, und die Nocken greifen nicht mehr sauber in die Halterungen. Vor jeder Reparatur an der Tür sollte deshalb die Aufstellung geprüft werden.

Bauarten: Welche Containertypen es gibt

Alle Bauteile dieser Seite beschreiben den Standardcontainer, im Bauartschlüssel als G für General Purpose bezeichnet. Von ihm leiten sich die übrigen Bauarten ab, die für bestimmte Ladungen oder Nutzungen den Rahmen, die Wände oder das Dach verändern.

Der High Cube ist ein Standardcontainer mit 2.896 statt 2.591 Millimetern Außenhöhe. Er hat denselben Rahmen und dieselben Türen, innen aber 2.695 Millimeter lichte Höhe. Für Umbauten zu Aufenthaltsräumen ist er wegen der Raumhöhe fast immer die richtige Wahl. Mehr dazu auf der Seite zum High-Cube-Container.

Der Side Door Container hat auf einer Längsseite Türen über die volle Länge. Die Seitenwand, die beim Standardcontainer mitträgt, wird durch Türflügel und einen verstärkten Rahmen ersetzt. Der Double Door Container hat an beiden Stirnseiten Türen und lässt sich von zwei Seiten beladen. Beide Bauarten sind für Events, Lager mit häufigem Zugriff und Werkstätten verbreitet. Details auf den Seiten zum Side-Door-Container und zum Double-Door-Container.

Der Open Top hat statt eines festen Dachs eine Plane über abnehmbaren Dachbügeln und wird von oben mit dem Kran beladen. Der Flat Rack besteht nur aus Boden und zwei Stirnwänden, die bei manchen Ausführungen umgeklappt werden können, und trägt Maschinen, Fahrzeuge und Überbreiten. Die Plattform hat weder Wände noch Dach. Seiten dazu: Open-Top-Container, Flat Rack, Plattform.

Der Kühlcontainer hat gedämmte Wände, einen Aluminium-T-Boden für die Luftführung und an einer Stirnseite die Kältemaschine. Er ist innen schmaler als ein Standardcontainer und wird an 380- oder 440-Volt-Anschlüssen betrieben. Der Tankcontainer besteht aus einem Rahmen mit eingesetztem Edelstahltank, der Bulk-Container hat Luken im Dach und Auslässe an der Stirnwand für Schüttgut. Seiten dazu: Kühlcontainer, Tankcontainer, Bulk-Container.

Pallet-Wide-Container sind Standardcontainer mit 2.500 statt 2.438 Millimetern Außenbreite. Innen passen dadurch zwei Europaletten nebeneinander, was in Europa beim Straßen- und Kurzstreckenseeverkehr üblich ist, im Überseeverkehr aber nicht. Welche Bauart für welches Projekt passt, erklären wir im Video.

Rahmen, Wände und Boden: Was trägt und was nicht

Der Container trägt seine Last über den Rahmen. Die acht Eckbeschläge, die vier Eckpfosten, die oberen und unteren Längsträger und die Querträger an den Stirnseiten bilden einen Stahlkäfig, der beim Stapeln auf See das Gewicht von bis zu acht beladenen Containern aufnimmt. Die Angabe dafür steht als Stapellast auf der CSC-Plakette, bei Standardcontainern meist 192.000 Kilogramm.

Die Wellblechwände sind kein reines Verkleidungsblech. Sie steifen den Rahmen gegen Verwindung aus und tragen beim Stapeln einen Teil der Last mit. Wer für einen Umbau große Öffnungen in eine Seitenwand schneidet, muss den Rahmen an dieser Stelle verstärken, sonst sackt das Dach durch und die Türen klemmen. Für Fenster und Türen in Standardgröße reicht meist ein umlaufender Rahmen aus Stahlprofil, für Öffnungen über die halbe Wandlänge braucht es einen Stahlträger unter dem Dachlängsträger. Ausführlich beschreiben wir das auf der Seite zum Container-Umbau.

Der Boden liegt auf Querträgern im Abstand von rund 30 Zentimetern und besteht aus 28 Millimeter starkem Sperrholz, bei neueren Containern teilweise aus Bambus oder Stahl. Er ist für eine Flächenlast von rund 4,5 Tonnen pro Quadratmeter und eine Staplerachslast von 5.460 Kilogramm ausgelegt. Die Querträger sind bei gebrauchten Containern die Stelle, an der Rost am ehesten die Tragfähigkeit beeinträchtigt, weil sie von unten dauerhaft feucht stehen. Vor dem Kauf lohnt ein Blick unter den Container. Wie belastbar Boden und Dach sind, erklärt unser Beitrag zur Belastbarkeit von Seecontainern.

Das Dach ist das schwächste Bauteil. Es besteht aus 2 Millimeter starkem, leicht gewölbtem Blech und trägt zwischen den Rahmen nur rund 300 Kilogramm Punktlast. Es ist nicht zum Begehen ausgelegt, und stehendes Wasser in Dellen ist die häufigste Ursache für Durchrostung von oben.

FAQ

Aus welchem Material besteht ein Seecontainer?

Rahmen und Wände bestehen aus Cortenstahl, einem wetterfesten Baustahl, der unter einer dichten Rostschicht nicht weiter korrodiert. Der Boden besteht aus 28 Millimeter Sperrholz auf Stahlquerträgern, die Türdichtungen aus EPDM-Gummi.

Wie viele Verschlussstangen hat eine Containertür?

Drei bis Vier, also bis zu zwei pro Türflügel. An den Enden jeder Stange sitzen Nocken, die in Halterungen am Türrahmen greifen. Die Griffe zum Drehen der Stangen liegen in Griffhalterungen mit Bohrungen für Plombe oder Schloss.

Was bedeutet der Code 22G1 am Container?

Es ist der Größen- und Bauartschlüssel nach ISO 6346. 2 steht für 20 Fuß Länge, 2 für 8 Fuß 6 Zoll Höhe, G für Standardcontainer, 1 für die Ausführung. Ein 40-Fuß-High-Cube trägt 45G1, ein 20-Fuß-Kühlcontainer 22R1.

Welche Bauteile tragen die Last beim Stapeln?

Die Eckbeschläge, Eckpfosten und Längsträger. Die Wellblechwände steifen den Rahmen aus und tragen einen Teil mit, das Dach trägt praktisch nichts. Beim Umbau müssen Öffnungen in den Wänden deshalb mit Stahlprofilen verstärkt werden.

Warum klemmen die Türen eines Containers?

Meist, weil der Container nicht auf allen vier Ecken gleichmäßig steht und sich der Rahmen verzieht. Dann greifen die Nocken der Verschlussstangen nicht sauber in die Halterungen. Vor einer Reparatur sollte die Aufstellung geprüft werden.

Andi’s Container Report

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