Die Hotelbranche ist nicht gerade für ihre Innovationsfreude bekannt. Gefühlt hat sich in den letzten Jahrzehnten, vor allem architektonisch, nicht viel getan. Da überrascht dieses Konzept des Architekturbüros „OVA Studio“ aus Hongkong umso mehr, wie designboom berichtet. Ihre Idee: Ein Turm, bestehend aus mehreren Seecontainern. Umweltfreundlichkeit trifft Innovation. So weit so gut!
Das Besondere daran ist die Flexibilität: Die einzelnen gebrauchten Schiffscontainer sind nicht fest mit dem Turm verankert, sondern lassen sich beliebig „herausziehen“ und neu anordnen. Zusätzliche Container lassen sich so natürlich auch problemlos anbringen, sollte die vorhandene Wohnfläche mal knapp werden. Wobei man hier kaum von einer „Ordnung“ sprechen kann, die Seecontainer sind wie wild übereinander „geworfen“.
Die Struktur erinnert etwas an das Spiel „Jenga„, bei welchem Holzklötze, anstatt Container, aus einem Turm gezogen werden müssen, bis dieser umfällt (das „umfallen“ sollte wohl bei diesem Hotelentwurf vermieden werden)
Der Hintergrundgedanke: Weltenbummler können so ihren eigenen „Wohncontainer“ mit auf die Reise nehmen, sobald sie wieder zurück kommen wird der Container einfach wieder an das Metallgerüst „angedockt“.
Zusätzlich sollen Unternehmen einzelne Seecontainer mit ihrem Logo und Farben gestalten: Also eventuell bald die Hotelnacht in einem Ferrari oder Amazon Seecontainer verbringen? Die Zukunft wird es zeigen..
Was man aber schon jetzt sagen kann: Dieses Container-Hotel wird wohl eher nichts für den kleinen Geldbeutel. Schade – denn eigentlich sollten die Materialkosten (bei gebrauchten Seecontainern als Basis) relativ gering, im Vergleich zur konventionellen Bauweise, sein.
Wir begrüßen natürliche alle neuen Projekte & Innovationen mit Seecontainern – ob hochpreisig oder low-budget.
Ihr habt Kenntnis von einem nennenswertem Schiffscontainer Projekt? Lasst es uns wissen – gerne berichten wir darüber (auch über dein eigenes Projekt)!
Bildquelle: OVA Studio
Über den Autor
Andreas Atrott
Über 12 Jahre Erfahrung in der Container Branche. Neben dem Containerhandel mit 3000+ Kunden verwandelt er mit seinem Team aus Containern spannende Umbauprojekte. Herr Atrott ist Gründer & Geschäftsführer der Containerbasis GmbH mit Sitz in Hamburg.
Weitere Infos zu Herrn Atrott findest du hier.
Containerhäuser: Alles andere als langweilige Zweckarchitektur
In Deutschland sind kaum Containerhäuser für private Wohnzwecke zu finden. Zwar werden Raumcontainer als vorübergehende Wohnunterkünfte, Ausweichräumlichkeiten für überfüllte oder sanierungsbedürftige Schulen oder – modular errichtet und auf längere Nutzung ausgelegt – im gewerblichen Bereich als Büros (und anderes mehr) genutzt. Private Bauherren, die vom Containerhaus träumen, scheitern jedoch in der Regel an den hiesigen Bauvorschriften für Wohnhäuser. Kaum ein Bebauungsplan bietet die Möglichkeit, ein Containerhaus zu bauen.
Leider – denn mit der funktionalen Zweckarchitektur, die oftmals mit Raumcontaineranlagen einhergeht, haben viele Containerhäuser nichts gemein, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen
The Fly House, Palma de Mallorca, Spanien
Bild: www.airbnb.de/rooms/328541
Nicht allzu weit reisen muss man, wenn man einen Blick in das kleine, aber feine Fly Housein Palma de Mallorca werfen möchte. Unweit der historischen Altstadt wurde es auf das Dach eines Mehrfamilienhauses aufgesetzt – mit viel Privatsphäre und kleinem Pool auf der eigenen Dachterrasse. Voll ausgestattet für zwei Personen lässt es sogar für einen kurzen (oder längeren) Urlaub mieten. Und sollten die Eigentümer irgendwann doch umziehen wollen: Das Containerhaus wurde aus mehreren Containerrahmen so konstruiert, dass es komplett demontiert und anderswo wieder aufgebaut werden kann. Mieten könnt ihr es z.B. direkt hier auf Airbnb.
The Little Box on the Prairie, nahe Livingston, Montana, USA
Bild: airbnb.com
Aus zwei 40-Fuß-Seecontainern errichtet wurde die Little Box on the Prairienahe Livingston, Montana. In Einzellage mitten in der Prairie gelegen punktet dieses Häuschen mit klaren Linien und Weitblick auf die Absaroka Mountains. Beim Bau kamen – neben den Gebrauchtcontainern – bevorzugt Naturmaterialen und Recyclingstoffe zum Einsatz. Einen Blick ins Haus gibt es hier. Zum Besuch ist allerdings einen Pkw mit Allradantrieb empfehlenswert.
Casa El Tiemblo, El Tiemblo, Spanien
Nicht als Ferienimmobilien, sondern als Einfamilienhaus geplant und damit deutlich größer ist das 2010 vom Madrider Architekturbüro James & Mau errichtete Containerhaus Casa El Tiemblo in Zentralspanien. Aus mehreren High-Cube-Containern im 40-Fuß-Maß entwarfen die Architekten ein nachhaltiges, solarbeheiztes Öko-Haus, das zu 70 Prozent aus recycelten und gebrauchten Materialien besteht. Die offene Bauweise mit großen Fensterflächen steht dabei in bewusstem Kontrast zum „Low-Budget-Flair“ der verwendeten Seecontainer, wie man sie sonst nur als Zweckarchitektur in Hafengebieten oder auf Betriebsgelände findet.
Mit 190 m2 Wohn- und Nutzfläche zu einem Kaufpreis von 140.000 Euro bei einer Bauzeit von sechs Monaten ist die Casa El Tiemblo dabei unschlagbar günstig im Vergleich zu einem vergleichbaren Einfamilienhaus.
Six Oaks, San Jose, Kalifornien, USA
Bilder: modulus.com
Auch das – mitten im Wald an einer historischen Bahnstrecke erbaute – Six Oaksbesteht aus insgesamt 6 x 40 Fuß High Cube Container und setzt auf klare Erkennbarkeit der zugrunde liegenden Seecontainer. 110 m2 auf zwei Stockwerken bieten hier Platz für die ganze Familie.
Die Besonderheit: Zwischen den einzelnen Containern hat das bauausführende Designbüro Modulus1,20 m breite Glaselementemit Querstreben aus Holz und Metall eingesetzt – um einerseits einen optimalen Lichteinfall in der stark bewaldeten Umgebung zu gewährleisten und um andererseits die historische Eisenbahnstrecke im Design anklingen zu lassen.
Wie bei zahlreichen anderen Seecontainerhäusern lag auch beim Bau von Six Oaks der Fokus auf der Verwendung von Natur- und Recyclingmaterialien, eine insgesamt nachhaltige Bauweise und dem Einsatz erneuerbarer Energien.
Deutlich futuristischer im Design stellt sich das Caterpillar Haus nahe Santiago de Chile dar. Das 2012 erbaute Wohnhaus eines chilenischen Kunstsammlers und seiner Familie besteht aus insgesamt fünf 40-Fuß- und sechs 20-Fuß-Standard-Seecontainern. Entworfen von Sebastián Irarrázaval kombiniert es auf spektakuläre Weise Glas und Stahl zu einem großzügigen Komplex mit rund 350 m2 Wohnfläche, ergänzt durch einen 40-Fuß-Open-Top-Container als Swimmingpool im Außenbereich. (Mehr über Containerpools erfährst du in diesem Beitrag)
Foster Family Home, Denver, Colorado, USA
https://www.youtube.com/watch?v=z9mHb0-1EN4
Ähnlich groß wie das Caterpillar House – und ähnlich extravagant – ist auch das Containerhaus der Familie Foster in Denver, Colorado, das der Feuerwehrmann und seine Frau teils in Eigenleistung, teils mit Unterstützung durch Architekten, Bauingenieure und andere Fachleute errichtet und ausgebaut haben.
Das Ergebnis: Eine Luxusimmobiliemit sieben Schlafzimmern, fünf Badezimmer, einem zweistöckigen Atrium mit Kamin und Bibliothek sowie einer Dachterrasse mit Rundumsicht.
Allerdings hat das Traumhaus seinen Preis. Rund 500.000 US-Dollar haben die Fosters insgesamt für ihren ganz besonderen Traum des nachhaltigen Wohnens ohne Komfortverzicht ausgegeben – keine Wohnidee für jedermann, aber in jedem Fall sehenswert.
Über 12 Jahre Erfahrung in der Container Branche. Neben dem Containerhandel mit 3000+ Kunden verwandelt er mit seinem Team aus Containern spannende Umbauprojekte. Herr Atrott ist Gründer & Geschäftsführer der Containerbasis GmbH mit Sitz in Hamburg.
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